Wir sind eine gemeinnützige, öffentliche Musikschule im Verband deutscher Musikschulen und bieten modernen Musikunterricht mit qualifizierten Lehrkräften zu günstigen Preisen.

“Jeder Ton muss klingen”

Höchster Kreisblatt vom 19.07.2017, Seite 12 / Lokales

Sulzbach Pianistin Alishia Bent Khodabakhsh spielt seit neun Jahren Klavier

Schwarze und weiße Tasten, die einmal angeschlagen einen Klang erzeugen: Die Schülerin Alishia Bent Khodabakhsh hat sich seit ihrem sechsten Lebensjahr dem Klavier verschrieben und in diesem Jahr den ersten Preis beim Mendelssohn-Wettbewerb gewonnen. Wir haben mit der 15-Jährigen über die Faszination Klassik und Klavier gesprochen.

Aufrecht, konzentriert, vollkommen mit sich und dem Instrument beschäftigt, so sitzt Alishia Bent Khodabakhsh am Klavier im Wohnzimmer ihrer Eltern in Sulzbach. Dann setzt sie die Finger auf und beginnt zu spielen. Ihre Hände tanzen über die Tastatur. Melodie und Klang erfüllen den Raum und ziehen die Zuhörer, aber auch die 15-jährige Pianistin selbst voll in ihren Bann. Sie spielt Bachs Sinfonie Nr. 5 und Nr. 11.

Bei Wettbewerben spielt sie Klassik. “Am allerliebsten spiele ich Chopin. Bei Wettbewerben eigentlich immer Bach, Beethoven, Chopin oder Liszt”, erzählt die junge Pianistin begeistert. Beim letzten war es Liszts “Liebestraum” und Beethovens “Pathétique”. In ihrer Freizeit spielt sie auch gerne Pop-Stücke: Von Eminem über Adele bis hin zu Elvis ist alles dabei.

Der letzte Wettbewerb, das war der Mendelssohn-Wettbewerb bei dem sie den ersten Platz belegte. “Mein Musiklehrer Benjamin Brainman hat mir nachher gesagt, dass ich fast 29 Punkte bekommen hätte, wenn ich beim zweiten Stück nicht zu schnell geworden wäre. Aber so habe ich vier Punkte Abzug bekommen,” erzählt die ehrgeizige Pianistin. Bei den Wettbewerben werden die Teilnehmer in unterschiedlichen Altersklassen nach Stil- und Interpretation bewertet. Die höchste Bewertung, die erreicht werden kann, sind 30 Punkte.

Auswendig vortragen

Die besondere Herausforderung ist, dass die Stücke auswendig vorgetragen werden müssen. Sorge, Punkte zu verlieren, hatte sie auch beim diesjährigen Wettbewerb “Jugend musiziert”. “Bei mir ist es so, dass ich, sobald ich beginne zu spielen, die erste Notenzeile noch mit denke und dann schaltet sich mein Gehirn ab und meine Hände spielen weiter. Aber bei dem Wettbewerb habe ich während dem Spielen begonnen darüber nachzudenken, wo ich eigentlich gerade im Stück bin und als ich festgestellt habe, dass ich es nicht weiß, konnten meine Hände auf einmal nicht mehr weiterspielen.” Doch das war das einzige Mal, dass ihre Hände sie im Stich gelassen haben. “Ich habe dann nochmal angefangen und trotzdem den ersten Platz gemacht.” Mutter Rosik Bent Khodabakhsh weiß: Nach außen hin ist ihre Tochter immer gelassen. Doch im Inneren sei sie unzufrieden: “Ich bin eine Perfektionistin und wenn ich einen Fehler mache, dann ärgert mich das”, sagt die junge Pianistin über sich selbst.

Und wie viel übt sie? “Ich spiele jeden Tag mindestens eine Stunde Klavier. Vor Wettbewerben sind es drei Stunden. Und die letzte Woche vorher sind es etwa sechs Stunden am Tag.” Da sie auf der Schwalbacher Albert-Einstein-Schule ist, die einen Musik-Schwerpunkt hat, wird sie in der Woche vor einem Wettbewerb meist freigestellt. “Solange es nicht perfekt ist, höre ich nicht auf zu üben.” Und wie lange braucht sie, bis sie ein Stück perfekt beherrscht? “Für das Stück von Bach werde ich etwa ein halbes Jahr brauchen.”

Erst auf YouTube

Und wie geht sie an ganz neue Stücke heran? “Ich schaue mir das Stück erst auf YouTube an, dann bekomme ich die Noten von meinem Lehrer. Zunächst beginne ich erstmal für mich alleine zu üben und dann üben wir gemeinsam. Ich näher mich dem Stück also ganz langsam an.” Und was ist wichtig beim Klavierspielen? “Ein Stück ist erst perfekt, wenn jeder einzelne Ton klingt. Denn wenn auch nur eine einzige Note fehlt, gibt es Punktabzug”, berichtet Alishia Bent Khodabakhsh.

Und wie soll es weiter gehen? “Ich komme jetzt in die zehnte Klasse und will mein Abitur machen. Was ich danach studieren möchte, weiß ich noch nicht.” Es gebe für sie ein paar Richtungen. Zum einen könnte sie professionelle Pianistin werden oder aber sie mache etwas in Richtung Stylistin. Was aber feststeht ist, dass es auf jeden Fall in der künstlerischen Richtung weitergehen soll.

VON JOY GANTEVOORT

Alle Rechte vorbehalten: (c) Frankfurter Neue Presse

6. Oktober 2017